Monatskalender Juli

Matrosenhunde, Monatskalender, 2026, Illustration, Juli

Wir stolpern in den Juli, und wer nicht sehr privilegiert ist, tut das mit großer Ermattung.

Kein Körper wurde für diese Hitze gemacht, kein Baum und kein Strauch, keine Work-Life-Balance und kein Wochenendplan, kein Sommergefühl und kein Balkonplätzchen, ja nicht mal der Asphalt. Während Schwimmbäder um 9:30 schon niemanden mehr reinließen und an den See nur fahren konnte, wer ein klimatisiertes Auto vor der Tür stehen hatte, während politische Ignoranz auf Klimanotstand traf und der Hitzelockdown vor vehement schwirrenden Ventilatoren verbracht wurde, während Feste abgesagt wurden und Sport und Ausflüge und Geselligkeiten, während die Blitze zuckten und der Himmel trocken leuchtete um 22 Grad bei 35 Grad und dann die pinke Gewitterzelle einfach verdunstete, während Kinder »Heute war der heißeste Tag in Europa« in Tagebücher schrieben und gerötet ohne Decke schliefen, während Eiswasser mit Zitrone und Salz getrunken wurde und die Luft zu dick zum Atmen war.

Und dann ist es gleichzeitig so, dass es vielleicht bessere Zeiten gab, aber diese ja die unsere ist, mit Handventilatoren und Elektrolytmangel und Community-Building für Solidarität in Kollapszeiten und das Zelebrieren des Schönen trotz und wegen allem. Teenager backen Tassenkuchen, kämmen Haare und malen sich Glow ins Gesicht, ein Baby lacht 3 Minuten lang und alle lachen mit, Lehrerinnen organisieren Ausflüge in bunte Gärten und neue Fußbälle werden ausprobiert, wir machen Sport und Yoga und streicheln glatte Hunde, wir veranstalten Dinner und schneiden Erdbeeren klein.

Wir sind überfordert und duschen ein zweites Mal, wir wissen wirklich nicht, wie all das weitergehen soll und üben uns in Akzeptanz, im Kartieren neuen Gebiets und Von-Tag-zu-Tag-Leben, und noch einer und noch einer und alles ist durcheinander, ob wir das wollen oder nicht.

Wir liegen ohne T-Shirt auf dem Sofa und machen eine Fahrradtour, wir lassen uns Blut abnehmen und die Herzfrequenz messen, wir verschicken Post und pflücken Blumen, bevor es auch dafür zu heiß ist, die Wildheit der Welt lässt sich nicht zähmen, also verwildern wir selbst ein bisschen und passen aufeinander auf:

»Jetzt lass ich Unordnung herein.«

Ahoi,

Eure Matrosenhunde

Hier findet ihr unseren Schreibtisch-Hintergrund zum Download:
Desktop
iMac
Smartphone

P.S.: Hier können die vergangenen Monatskalender betrachtet werden.

Nach oben scrollen