
Hallo September, hallo goldenes Licht und Wehmut.
Ein warmer Wind weht die Blätter, die schon vor Wochen vertrocknet sind, auf die Straßen. Es wird gewählt und Porridge gekocht, ein neues Buch durchblättert und ein Dinner geplant.
Es ist wieder Wrong Coat Season, nur diesmal in die andere Richtung und abends braucht man wieder Fahrradlichter. Es gibt so viel zu tun, Stifte anspitzen und mit Kindernamen bekleben, elektronische Geräte einrichten und Autos in Werkstätten fahren, Wäsche falten und endlich zurückschreiben, auf die Sprachnachricht antworten, das Geschenk kaufen, während so viele Bedürfnisse konkurrieren: äußerlich cool und innerlich aufgewühlt überforderte Teenies, Kinder, die am allerbesten in den 90ern hätten groß werden sollen, mit Suburb-Fahrradgangs und Draußenbleiben bis die Kirchturmglocken läuten, erschöpfte, erwerbsarbeitende Erwachsene mit Sturm-und-Drang-Sehnsucht und Prä-Burnout.
Manche kriegen Kinder und andere auch Krebs, manche stehen vor allen anderen auf für Frühschwimmen und Kopffreikriegen, andere scrollen bis spätnachts und werden endlich nicht gestört, die einen machen Selfies, die anderen verstecken sich. Ganz kurz wird die Nachrichtenseite refresht, ein kleiner Blick in Pandoras Büchse und dann schnell wieder ein One-Pot-Gericht kochen und an die denken, die nicht ihre niedrigsten Instinkte füttern, sondern einen Anspruch haben, an sich selbst und die Welt und die Menschlichkeit.
Mit gewissem Trotz verweigern wir den Herbst, noch ist Sommer, sagt Ronja, oder Spätsommer, oder Herbstsommer, jedenfalls wird noch mal geschwommen und draußen gesessen und neue Kräuter werden in Beete gepflanzt, noch ist es ein bisschen warm und hell und raschelnd und gleichzeitig bereiten wir uns vor. Auf das, was vielleicht kommt. Auf den Winter und den Hüttenkoller, auf das, was wir noch erleben wollen, die Wanderung durchs bunte Laub, den Roadtrip mit der Freundin vorbei an abgemähten Feldern, Freiluftkino und Freibad, Festival und Drachensteigen.
Die Sommerlichkeit zu einer Persönlichkeit werden lassen, bis es nicht mehr anders geht und wenigstens dabei nicht mehr unterm Ventilator liegen müssen.
Die guten Momente zelebrieren, miteinander, füreinander und für sich selbst, nicht zum Funktionserhalt, sondern weil es schön ist, weil das Leben es verdient, lebendig zu sein:
»A bathroom of one’s own.«
Ahoi, Eure Matrosenhunde
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P.S.: Hier können die vergangenen Monatskalender betrachtet werden.
