
Der Juni ist da. Helle Nächte und tropfende Erdbeeren, im Kiefernwäldchen der Sonne hinterherwandern und neben einer Entenfamilie ins Glitzerwasser hinausschwimmen.
Singer-Songwriter-Tracks auf KCRW hören und abends die Balkonlichterkette anknipsen, Smoothies mixen und Hausaufgaben begleiten, Fahrräder treppauf und treppab tragen und aus dem S-Bahn-Fenster gucken.
Französisches Mandelduschgel benutzen und Hörbücher hören beim Spazierengehen, weniger kaufen wegen Budget und weil alles, was jetzt alt ist, auch mal neu war, Klassenfahrtbussen hinterher winken und das Bad wischen, Neues lernen und länger aus- als einatmen, von der Kiesauffahrt träumen und den Müll raustragen, YouTube-Kommentare unter epischen Songs lesen und Tröstlichkeit fühlen.
Ein Kind fühlt sich reich im neuen Bikini, ein Kind hat Angst, sich beim Referat zu blamieren, ein Kind kriegt Panik im öffentlichen Nahverkehr, ein Kind trägt Schwimmbrille auch an Land, ein Kind langweilt sich im Innenhof, ein Kind sucht einen entflogenen Vogel, ein Kind ist heimlich verliebt, ein Kind hat jetzt eine Katze, ein Kind ist sehr müde, ein Kind klettert die Tunnelrutsche hoch und hat sehr viele blaue Flecken.
Draußen ist es heißer als es sein sollte, Lindensameln segeln unter blauem Himmel und nachts schreit eine kleine Eule.
Juni ist auch der Monat für die whimsical Momente, für die kleine Romantik und Begegnungen zwischen warmem Beton und zart wogenden Gräsern, die verordnete Verdrängung der Düsternis und das spontane Miteinander um halb sechs.
Juni ist episches Sommergefühl und Sinnfragen zwischen To Dos, Gurkensalat und freihändig Fahrrad fahren, so tun, als seien wir ewig jung und hätten nichts zu tun, für drei Minuten.
Anerkennen, was nicht mehr stimmt, was früher war und jetzt nicht mehr; vermissen, wer fehlt und mit dem weitermachen, was da ist, was neben und zwischen und vor uns liegt, was trotzdem geht, was kreucht und fleucht und lebt und liebt, was wir wirklich in der Hand haben, was wir gestalten können und ermöglichen, was uns keiner nehmen kann, bisher:
»Die Freiheit hinter verschlossenen Türen.«
Ahoi, Eure Matrosenhunde
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P.S.: Hier können die vergangenen Monatskalender betrachtet werden.
